Die Microsoft Build ist das jährliche Developer-Event von Microsoft – und fand dieses Mal am 2. und 3. Juni 2026 statt. Das Leitthema: Künstliche Intelligenz im Unternehmenskontext. Unternehmen sollen AI-Agenten nicht nur nutzen, sondern eigenständig entwickeln, betreiben und kontrollieren. Wir haben die wichtigsten Ankündigungen für Sie in den drei Bereichen AI Business Solutions, Cloud & AI Plattform und Security zusammengefasst.
1. AI Business Solutions
Microsoft Scout – Der neue AI-Assistent in Microsoft 365
Das wohl greifbarste Highlight für Endanwender: Mit Microsoft Scout bringt Microsoft einen proaktiven AI-Assistenten in die M365-Welt. Anders als der bisherige Copilot arbeitet Scout eigenständig im Hintergrund – er plant Meetings, bereitet Unterlagen vor und hält Nutzer auf dem Laufenden, ohne dass ein Prompt nötig ist. Scout basiert auf der Open-Source-Software OpenClaw, ist aber speziell für Unternehmenssicherheit konzipiert. Sensible Aktionen erfordern weiterhin eine menschliche Genehmigung. Erste Versionen sind bereits für Frontier-Organisationen verfügbar.
MAI & Project Polaris – Microsofts eigene AI-Modelle
Microsoft hat ein umfassendes eigenes Modell-Portfolio vorgestellt – und stärkt damit die Unabhängigkeit von Drittanbietern. Unter der Marke MAI stehen sieben neue Modelle im Mittelpunkt. Das Reasoning-Modell MAI-Thinking-1 bietet 35 Milliarden Parameter und 256.000 Token Kontext und hält in Benchmarks mit führenden Wettbewerbern mit. Weitere Modelle decken Bildgenerierung (MAI-Image-2.5), Code (MAI-Code-1-Flash), Sprache und Transkription ab – alle vollständig in-house entwickelt.
Microsoft IQ – Die Wissensbasis für alle AI-Agenten
Damit AI-Agenten im Unternehmen sinnvoll arbeiten können, brauchen sie Kontext – und zwar nicht generischen, sondern unternehmensspezifischen. Microsoft IQ ist die einheitliche Intelligenz-Schicht, die seit der Build 2026 nun allgemein verfügbar ist. Sie besteht aus vier Bausteinen: Work IQ (Arbeitsmuster aus M365), Fabric IQ (strukturierte Geschäftsdaten), Foundry IQ (institutionelles Wissen und Richtlinien) und dem neu hinzugekommenen Web IQ (Echtzeit-Webdaten). Jeder Agent – ob in Teams, Outlook oder einer eigenen Anwendung – greift auf dieselbe Wissensbasis zu. Die Work IQ APIs werden am 16. Juni 2026 auf den Markt kommen.
Windows als AI-Plattform
Ein strategisch wichtiger Schritt: Windows wird zur Plattform für AI-Agenten. Mit dem neuen, quelloffenen Windows Agent Framework (WAF) schafft Microsoft die technische Grundlage dafür, dass AI-Agenten sich im Betriebssystem registrieren, miteinander kommunizieren und Informationen dauerhaft speichern können. Ergänzt wird das Framework durch eine Laufzeitumgebung für Agenten, einen eigenen App Store speziell für AI-Agenten sowie ein Entwickler-Toolkit (AI Foundry for Windows SDK) – mit dem sich AI-Anwendungen komplett lokal entwickeln lassen, ohne Azure-Abonnement oder API-Schlüssel. Damit werden AI-Agenten zu einem festen Bestandteil von Windows.
Project Solara – AI-native Geräte
Was passiert, wenn man Hardware konsequent um AI-Agenten herum baut? Project Solara liefert die Antwort: schlanke Cloud-Terminals, die als Fenster in eine Azure-basierte Agenten-Infrastruktur dienen. Microsoft hat zwei Referenzdesigns vorgestellt – einen kompakten Desktop-Hub mit Touchscreen und Sprachsteuerung sowie ein Wearable Badge als intelligenten Mitarbeiterausweis mit Kamera, Mikrofon und 5G. Statt klassischer Apps generieren AI-Agenten die Oberfläche dynamisch. Das Ziel: AI dorthin bringen, wo konventionelle Computer nicht optimal sind – in Fertigung, Einzelhandel oder Gesundheitswesen. Ein Veröffentlichsdatum steht bisher noch nicht fest.
Surface Laptop Ultra
Mit dem Surface Laptop Ultra stellte Microsoft den nach eigenen Angaben leistungsstärksten Surface-Laptop aller Zeiten vor. Im Inneren arbeitet der neue RTX Spark Superchip (Blackwell-GPU + 20-Kern Grace-CPU) von NVIDIA mit bis zu 128 GB Unified Memory und 1 Petaflop AI-Leistung. Damit lassen sich AI-Modelle mit bis zu 120 Milliarden Parametern komplett lokal ausführen – ohne Cloud-Anbindung. Das 15-Zoll-Mini-LED-PixelSense-Ultra-Display erreicht bis zu 2.000 Nits HDR-Helligkeit. Das Gehäuse ist unter 18 mm dünn und wiegt unter 2 kg – verfügbar voraussichtlich im Herbst 2026.
Surface RTX Spark Dev Box
Für Entwickler, die AI lokal trainieren und iterieren wollen: Die neue Dev Box mit Nvidias RTX Spark Superchip liefert bis zu 1 Petaflop AI-Leistung und 128 GB Unified Memory. Modelle mit über 120 Milliarden Parametern laufen komplett lokal – ohne Cloud-Kosten pro API-Call. Das lüfterlose Design ist für Dauer-Workloads ausgelegt, die vorkonfigurierte Developer Edition bringt alle nötigen Tools ab Werk mit. Die Surface RTX Spark Dev Box soll ebenfalls ab Herbst verfügbar sein.
2. Cloud & AI Platform
Azure Foundry & Agent Service
Damit AI-Agenten produktiv und skalierbar laufen, hat Microsoft die Microsoft Foundry (ehemals Azure AI Foundry) massiv ausgebaut. Herzstück ist der Foundry Agent Service – eine verwaltete Laufzeitumgebung mit Sandboxing, eigener Identität pro Agent und integriertem Memory-Management. Dazu kommt das Agent Framework 1.0 (GA) sowie eine neue Agent Control Specification, mit der Unternehmen Governance-Regeln für Agenten deklarativ definieren können. Der Modell-Katalog umfasst mittlerweile über 12.000 Modelle. AI-Agenten lassen sich in Teams und M365 Copilot veröffentlichen.
GitHub Copilot wird agentic
GitHub Copilot entwickelt sich vom Code-Assistenten zur Agent-Plattform: Eine neue Desktop App dient als zentrale Steuerung für parallele Agenten-Sessions. In VS Code können mehrere Sub-Agenten gleichzeitig arbeiten – für Linting, Tests, Dokumentation und Security.
Majorana 2 – Quantencomputing
Mit dem Quantenchip Majorana 2 ist Microsoft ein wichtiger Fortschritt gelungen: Die darauf befindlichen Qubits – also die Recheneinheiten eines Quantencomputers – arbeiten rund 1.000-mal zuverlässiger als beim Vorgängermodell. Auf Basis dieses Fortschritts hat Microsoft seine Roadmap angepasst: Ein praxistauglicher, skalierbarer Quantencomputer soll nun bereits 2029 zur Verfügung stehen – früher als ursprünglich geplant. Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung spielte Microsofts AI-gestützte Forschungsplattform Microsoft Discovery.
3. Security
MDASH – AI-gestützte Schwachstellenerkennung
Mit MDASH (Microsoft Security Multi-Model Agentic Scanning Harness) stellt Microsoft ein neues System zur automatisierten Erkennung von Sicherheitslücken vor. Statt eines einzelnen Modells orchestriert MDASH über 100 spezialisierte AI-Agenten, die in einer mehrstufigen Pipeline arbeiten: Code analysieren, Hypothesen aufstellen, gegeneinander argumentieren und Schwachstellen durch automatische Proof-of-Concept-Angriffe bestätigen. In internen Tests erreichte das System eine Erkennungsrate von bis zu 100 % bei null Fehlalarmen. MDASH wird direkt ins Microsoft Defender Portal integriert und befindet sich in erweiterter Preview.
Sicherheit für AI-Agenten – Purview, MXC & Windows 365 for Agents
Je autonomer Agenten arbeiten, desto wichtiger wird die Frage: Wer kontrolliert, was ein Agent darf – und was nicht? Mit Agent 365 hatte Microsoft bereits im Mai 2026 eine zentrale Plattform für Agent-Governance allgemein verfügbar gemacht – inklusive einer Agent Registry, die ungemanagte Agenten im Unternehmen automatisch erkennt und inventarisiert.
Auf der Build 2026 wurde dieses Fundament nun um mehrere wichtige Bausteine erweitert: Das neue Agent 365 SDK (GA) ermöglicht es Entwicklern, Security-Controls wie Zugriffskontrollen, Observability und Compliance-Regeln direkt in den Entwicklungsprozess einzubauen.
Auf der Datenschutzseite wird Microsoft Purview um Agent-spezifische Funktionen erweitert: Runtime DLP für Agenten (Public Preview) blockiert sensible Daten in Agent-Prompts, bevor sie ein AI-Modell erreichen – und unterstützt dabei auch Drittanbieter-Agents wie Claude Code, OpenAI Codex und OpenClaw. Ergänzend liefern Purview Data Risk Signals in Foundry (GA) Echtzeit-Warnungen, wenn ein Agent auf sensible Daten zugreift.
Für die sichere Ausführung sorgen zwei komplementäre Ansätze: Windows 365 for Agents (GA) lässt Agenten in vollständig isolierten, Intune-gesteuerten Cloud-PCs laufen, während die neuen Microsoft Execution Containers (MXC) Agenten direkt auf OS-Ebene isolieren und durch Richtlinien kontrollieren.
Defender & GitHub Code Security – Absicherung der Entwicklungspipeline
Microsoft schließt die Lücke zwischen Entwicklung und Security Operations: Die neue Integration von Microsoft Defender und GitHub Code Security (GA) reichert Code-Schwachstellen automatisch mit Runtime-Signalen an – etwa, ob eine verwundbare Komponente dem Internet ausgesetzt ist oder auf sensible Daten zugreift. Entwickler können erkannte Probleme direkt über GitHub Copilot Autofix beheben lassen, ohne den Workflow zu verlassen. Zusätzlich scannt Defender AI Model Scanning (Preview) AI-Modelle in Registries, Workspaces und CI/CD-Pipelines auf Kompromittierung oder Schwachstellen – bevor sie überhaupt in Produktion gehen.
In den kommenden Tagen werden wir einzelne Themen in separaten Beiträgen vertiefen.
